Ein Mittwochmorgen, 8:45 Uhr. Jana, Teamleiterin in einem IT-Unternehmen, sitzt mit leerem Blick vor ihrem Laptop. In den letzten vier Wochen musste sie nicht nur ein Projektteam neu aufstellen, sondern gleichzeitig den Verlust einer langjährigen Kollegin verkraften. Die Nacht war kurz, der Druck ist hoch. Doch statt zu verzweifeln, atmet Jana tief durch, öffnet ein Notizbuch und schreibt folgende Fragen an sich selbst mitsamt deren Antworten auf:
Was Jana da tut, ist der Inbegriff gelebter Resilienz. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, auch unter widrigen Umständen handlungsfähig zu bleiben, Rückschläge nicht nur zu überstehen, sondern daraus zu lernen – und im besten Fall sogar gestärkt hervorzugehen.
In einem Umfeld ständiger Veränderung, hoher Erwartungen und permanenter Belastung wird psychische Widerstandskraft zur Schlüsselkompetenz – für Führungskräfte wie Mitarbeitende gleichermaßen. Wer unter diesen immer härteren Bedingungen des (beruflichen) Alltags dauerhaft leistungsfähig, fokussiert und gesund bleiben will, braucht mehr als fachliche Qualifikation – gefordert ist vor allem mentale Stärke.
Die guten Nachrichten vorweg: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern ein dynamischer Prozess. Natürlich gibt es Menschen, die von Geburt an psychisch und physisch widerstandsfähiger sind. Grundsätzlich lässt sich Resilienz aber auch in jedem Alter noch entwickeln und stärken. Was man dafür braucht, ist sicherlich mehr als einen Nachmittag in der Therme oder einen inspirierenden Kalender-Spruch:
Mentale Stärke beginnt dort, wo Disziplin und Selbstreflexion aufeinandertreffen.
Jede Karriere kennt Niederlagen: verpasste Beförderungen, gescheiterte Projekte, toxische Teamdynamiken. Mentale Stärke zeigt sich nicht darin, solche Erfahrungen zu vermeiden, sondern darin, mit ihnen umzugehen und daraus zu wachsen.
Ein zentraler Ansatz dabei ist das sogenannte Reframing, also das bewusste Umlabeln eines Ereignisses. Wer Rückschläge als wertvolle Erfahrungen statt als persönliches Versagen betrachtet, eröffnet sich neue Handlungsräume. Dabei hilft es, sich nicht nur zu fragen, warum etwas passiert ist, sondern vor allem, was man daraus ableiten kann.
Gleichzeitig ist emotionale Distanzierung entscheidend. Denn wer sich mit jedem Rückschlag vollständig identifiziert, verliert die Fähigkeit zur objektiven Einordnung. Es geht darum, Gefühle zuzulassen, aber ihnen nicht das Steuer zu überlassen. Gerade in kritischen Momenten ist es hilfreich, zuvor entwickelte mentale Notfallstrategien parat zu haben – sei es eine Atemtechnik, ein klares Ritual zur Priorisierung (siehe unser Beispiel von Jana am Anfang des Artikels) oder der bewusste Austausch mit einer vertrauten Person. So entsteht ein innerer Handlungsspielraum, selbst wenn das Außen eng wird.
Starke Menschen lassen sich nicht vom Außen treiben, sondern führen sich selbst. Das bedeutet: Sie entscheiden bewusst, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten, welche Gedanken sie zulassen und wie sie ihr Handeln und Denken steuern.
Ein kraftvoller Ansatz aus der neuropsychologischen Forschung ist das kognitive Defusionstraining: Dabei lernst du, deine Gedanken nicht als Wahrheiten, sondern als Hypothesen zu betrachten. So wird aus „Ich bin überfordert“ ein „Ich habe gerade den Gedanken, dass ich überfordert bin“. Klingt komisch? Einfach mal ausprobieren – es funktioniert besser als gedacht.
Klassisches Zeitmanagement greift in Hochdruckphasen zu kurz. Wer Resilienz praktizieren möchte, managt nicht primär die verfügbaren Stunden, sondern die eigenen mentalen Energieressourcen.
Das beginnt damit, den eigenen Leistungskorridor zu kennen:
Resiliente Menschen haben meist ein stabiles Netzwerk, auf das sie zurückgreifen können. In Zeiten der Überforderung entscheiden nicht immer die „richtigen“ Antworten – sondern Menschen, mit denen man schwierige Situationen durchdenken und tragen kann.
Ein oft unterschätzter Teil: Die Beziehung zu sich selbst.
Viele Menschen sabotieren ihre mentale Stabilität durch Selbstabwertung, Perfektionismus und unrealistische Standards. Ein radikaler Schritt in Richtung Resilienz ist daher, innere Freundlichkeit zu kultivieren. Das hat nichts mit Spiritualität zu tun – sondern mit der wissenschaftlich belegten Wirkung von Selbstmitgefühl auf Stressverarbeitung und kognitive Leistungsfähigkeit.
Die Fähigkeit, in Krisen handlungsfähig zu bleiben, ist kein Talent, sondern eine Entscheidung. Wer Resilienz im Arbeitsalltag kultivieren will, braucht Mut zur Selbstführung, die Bereitschaft zur Reflexion und die Fähigkeit, auch unter Druck bei sich zu bleiben.
Resiliente Menschen stehen nicht seltener im Sturm – sie stehen nur anders.
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